haben, wenn ſie ſich in dieſem Punkte jemals verrathen könnte. Sie wußte, daß man auf dieſer Welt eigentlich Alles thun darf, ſoweit die Geſellſchaft in Frage kommt, wenn man es nur mit der erforderlichen Rückſicht auf dieſe thut; daß Verbote und Schranken nur für die Köpfe der niedrigeren Ordnung aufgerichtet ſind, und daß man dieſen hinlänglich genügt, wenn man nur ihren Vorurtheilen ſchmeichelt. Es gab daher keine heftigere Fanatikerin in ganz Großbritannien für das, was man die Sitte des Standes und die Ehre des Hauſes nennt, als Mylady war.—
Sie würde es daher unter keiner Bedingung zuge⸗ geben haben, daß Major Fitzroh ſich in der Nähe des einſamen Schloſſes am See von Cumberland aufgehal⸗ ten hätte; und als ſie zu dieſer auffallenden Zeit des Jahres nach London kam, da erſchien ſie, wie es einer züchtigen Wittwe geziemt, in Begleitung einer ſchottiſchen Verwandtin, der jungen Gräfin von Erkisdale, deren Vater kürzlich verſtorben, und von der— ob mit Recht oder Unrecht wiſſen wir nicht— das Gerücht ging, ſie ſei von der Familie beſtimmt, die Gattin des Honourable George Meadows, des Erben von Trevynhr zu werden.—
Mit dieſer jungen Dame lebte ſie ſeit einiger Zeit in dem uns wolbekannten Palais von Belgrave⸗Square, während alle andren ringsum von ihren vornehmen Be⸗ wohnern verlaſſen waren und das rothe Laub um die Stufen derſelben raſchelte. Sie hatte Rechtsgeſchäfte in der Stadt. Sie fuhr zuweilen zu ihrem Anwalt in Chancerh⸗lane. Sie wollte nur noch kurze Zeit bleiben und darauf ihren Vater in Treohnhr⸗Hall beſuchen.


