Teil eines Werkes 
2. Buch (1863)
Entstehung
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giebt viele Verhältniſſe und wir ſind der Anſicht, daß es nicht immer die ſchlechteſten ſind, obwohl ſie den Schein gegen ſich haben, deren Zweck die Liebe und deren Averſion die Ehe iſt. Das Verhältniß jedoch, mit welchem wir es hier zu thun haben, war von der entgegengeſetzten Natur. Es hatte den Charakter des Compromiſſes, und ſtand viel mehr unter der Berechnung des Verſtandes, als unter der Herrſchaft des Herzens. Lady Caſtlemere wünſchte die Verbindung mit dem Major, weil er ein Mann der Welt, fehr ſchön, ſehr berühmt und ganz das war, was ſie von einem Manne wünſchte, um an ſei⸗ ner Seite ein glänzendes und beneidetes Leben zu führen. Der Major wünſchte die Verbindung mit Lady Caſtle⸗ mere, weil ſie die reiche Frau war, deren er bedurfte, um ſeine Rolle in der Geſellſchaft nicht nur mit dem Anſtand, ſondern auch mit den ſolideren Vortheilen des Ranges zu ſpielen. An eine übereilte Ehe, wie ſie zu⸗ weilen der Ungeſtüm der Leidenſchaft und zuweilen die Verblendung der Liebe dictirt, war daher in dieſem Falle nicht zu denken. Sie wußten Beide zu gut, daß eine Verbindung jetzt noch alles das zerſtören und für Immer aufheben mußte, was für Beide doch der Zweck derſelben war. Das große Vermögen, deren Verwalte⸗ rin Ihre Herrlichkeit war, würde in demſelben Augen⸗ blick, wo ſie dem Major ihre Hand reichte, in den unmittelbaren Beſitz ihrer Tochter, der Erbin von Caſt⸗ lemere übergegangen ſein; und von ihrem Vater hatte ſie gleichfalls Nichts oder nur ſehr wenig zu hoffen, da nach dem Hausgeſetz des engliſchen Adels welches ſich noch ſtrenger in den Grundſätzen des alten Sachſen⸗

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