358 nerherzen, ihre pikanten Geſpräche unterhielten die Glut. Ihr liebender Gatte, der ſtets an ihren Blicken hing, war nur wie ihr Schatten, aber eben weil ſie ihn immer, wie ihren Schatten, bei ſich hatte und ihn, von einem Kreis von Verehrern umringt, mehr wie ihren Kammerdiener als wie ihren Gemahl be⸗ handelte, ſicherte ſie unter tauſend Koketterien, aber ohne alle Intriguen, ihren Ruf. Reich, ſchön, ge⸗ ſucht, umgeben von allen Verfeinerungen des Lurus und der Kunſt, angebetet von ihrem Gemahl— wer hätte nicht die reizende Amerikanerin für ein Schoos⸗ kind des Glückes erklärt? Und in der That kannte die Welt die bezaubernde Fremde nicht anders als lachend, freudeſpendend, genießend.
Und doch wußte Phyllis, die ſchwarze Kammer⸗ frau, viel von den ſchlafloſen Nächten ihrer Gebiete⸗ rin zu etzählen, und wie ſie innerlich krank und zer⸗ riſſen ſei, und Stunden lang weine und die Hände ringe und ſich den Tod wünſche. Und der Gemahl? Wie ſorglich vermied er das Alleinſein mit der ſchönen Gattin! Wie ſuchte er ſie zu zerſtreuen und bei guter Laune zu erhalten und durch reiche Geſchenke und beſtändiges Nachgeben ſie nicht in die unglück⸗ liche Stimmung kommen zu laſſen, deren ſchuldloſes Opfer jedesmal er und er nur allein ward!


