Beſtürzt, rathlos, mit tiefem Schmerz erfüllt, blieb Saſſen zurück.
Jetzt trat er zu der unglücklichen Freundin ein. Sie lag bleich, wie aller Lebenskraft beraubt, auf ihrem Lager. Kaum daß die ſchneeweißen Tücher und Kiſſen, die ſie einhüllten, weißer waren, als das liebe, blutloſe Geſicht, die zarten, in wenig Tagen gänzlich abgefallenen Hände. Sie war, aller Lebens⸗ fähigkeit ſelbſt bar und außer Stande, Leben zu ge⸗ ben, von einem todten Kindlein entbunden.„Legt das theure Pfand zu ſeinem Vater“, lispelte ſie,„ich komme bald nach!“ Wiederholt hatte ſie gebeten, das Grab nicht zu ſchließen. Sie ging mit ſtillem, gläu⸗ bigen Hoffen einer ſichern Auflöſung entgegen.
Als der bewährte Freund eintrat, mühſam gefaßt, vor innerer Bewegung bebend, richtete ſie ihm einen matt lächelnden Blick entgegen.„Gott iſt gnädig“, ſagte ſie,„nicht allein ſoll ich ſterben! Er ſendet mir den Freund, mir die müden Augen zuzudrücken!“
So ſollte er ſie wieder ſehen, ſo zerknickt und verwelkt die Blüte ſeines Lebens! Er ertrug es kaum. Der ſtarke Mann brach faſt zuſammen unter dem un⸗ geheuern Schmerz. Aber mit gewohnter Herrſchaft über ſich ſelbſt, legte er die Hand auf die heldenmü⸗ thige Bruſt und drückte das ſchwellende, berſtende


