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Klotilde, eine hohe, ſchlanke Geſtalt in blühender Jugendfülle, über deren ſeelenvollen Zügen eine Wolke ſtiller Trauer hing, und ihr einſtiger Vormund, der 5 Landrath von Saſſen, blieben noch lange, nachdem die Thür ſich hinter dem Geſchäftsmann geſchloſſen, in tiefes, gedankenvolles Schweigen verſenkt. Vor ihnen ſtand ein Tiſch, auf welchem Rollen von Goldſtücken ausgebreitet und werthvolle Staatspapiere und Do⸗ eumente, in Päckchen geordnet, aufgehäuft lagen. Aber man ſah es den Beiden wohl an, daß es nicht eben Geld und Geldeswerth war, was ihre Gemüther be⸗
ſchäftigte.
Der Landrath war ein Mann von mittleren Jahren, eine anſehnliche, ja entſchieden vornehme Erſcheinung, 1 mit einer edeln, ſcharfausgeſprochenen Geſichtsbildung.
Er brach das Schweigen zuerſt, und der Ton ſeiner ſonoren, männlichen Stimme war ungewöhnlich weich, indem er ſagte:
„Klotilde, Sie haben nun Ihren Willen. Ihre 1 Grundſtücke ſind zu baarem Gelde gemacht; zwanzigtau⸗ ſend Thaler in Gold liegen hier vor Ihnen; dort noch einmal ſo viel in Wechſeln und Schuldſcheinen, die jeden Augenblick in Anweiſungen an ein Handelshaus verwandelt werden können, für das den Ort zu be⸗ ſtimmen Sie ſich vorbehalten haben. Sprechen Sie


