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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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Kindlein ſtehn mit grünen Zweigen Um den heiligen Altar, Und die Engel Gottes neigen Sich herab zur Kindesſchar.

65.

Die Lerche ſtieg am Oſtermorgen

Empor ins klarſte Luftgebiet,

Und ſchmettert' hoch im Blau verborgen Ein freudig Auferſtehungslied.

Und wie ſie ſchmetterte, da klangen Es tauſend Stimmen nach im Feld: Wach auf, das Alte iſt vergangen, Wach auf, du froh verjüngte Welt!

Wachtauf, und rauſcht durchs Thal, ihr Bronnen, Und lobt den Herrn mit frohem Schall! Wacht auf, im Frühlingsglanz der Sonnen, Ihr grünen Halm und Blätter all! Ihr Veilchen in den Waldesgründen, Ihr Primeln weiß, ihr Blüten roth, Ihr ſollt es Alle mitverkünden: Die Lieb iſt ſtärker, als der Tod! Wacht auf, ihr trägen Menſchen⸗ herzen, Die ihr im Winterſchlafe ſäumt,

Blüht empor, ihr Himmelsmaien, Palmen, blüht aus meiner Bruſt, Chriſti Wege zu beſtreuen,

Der euch hegt in Lieb und Luſt. Ferd. Gottfried Max v. Schenkenborf.

Oſtermorgen.

Die Kraft des Herrn weht durch die Lande,

Wie Jugendhauch, o laßt ſie ein!

Zerreißt, wie Simſon, eure Bande

Und wie die Adler ſollt ihr ſein!

Wacht auf, ihr Geiſter, deren

Sehnen

Gebrochen an den Gräbern ſteht,

Ihr trüben Augen, die vor Thränen

Ihr nicht des Frühlings Blüten ſeht;

Ihr Grübler, die ihr fern verloren

Traumwandelnd irrt auf trüber Bahn

Wacht auf, die Welt iſt neuge⸗ boren;

Hier iſt ein Wunder, nehmt es an!

Ihr ſollt euch All des Heiles freuen, Das über euch ergoſſen ward, Es iſt ein inniges Erneuen Im Bild des Frühlings offenbart. Was dürr war, grünt im Wehn der Lüfte, Jung wird das Alte fern und nah,

In dumpfen Lüſten, dumpfen Schmerzen Der Odem Gottes ſprengt die Grüfte

Gebannt ein welkes Daſein träumt;

66. Oſtern rufet:

Oſtern rufet: Auferſtehe Aus dem Winterſchlaf, Natur! Holder Frühling! Komm und gehe, Geh ans Werk in Hain und Flur! Laß die Welt nach finſtern Tagen, Wo die Luſt des Lebens ſchwieg, Laß ſie wieder freudig ſagen: Starrer Tod, wo iſt dein Sieg?

Wacht auf! Der Oſtertag iſt da!

Emanuel Geibel.

Auferſtehe ꝛc.(8510

Auferſtehe, auferſtehe! Dich auch mahnt der Oſterruf; Auferſteh von deinem Wehe, Das den Tag zur Nacht dir ſchuf; Auferſteh zu heitrer Klarheit, Liebe ſpricht: Lebendig ſei! Ich bin Leben, ich bin Wahrheit, Und die Wahrheit macht dich frei!