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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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46.

Es iſt nun der Herbſt gekommen, Hat das ſchöne Sommerkleid Von den Feldern weggenommen Und die Blätter ausgeſtreut; Vor dem böſen Winterwinde Deckt er warm und ſachte zu Mit dem bunten Laub die Gründe, Die ſchon müde gehn zur Ruh. Durch die Felder ſieht man fahren Eine wunderſchöne Frau; Und von ihren langen Haaren Goldne Fäden auf der Au

Herbſt.

Spinnet ſie*) und ſingt im Gehen Eya meine Blümelein,

Nicht nach Andern immer ſehen, Eya ſchlafet, ſchlafet ein.

Und die Vöglein hoch in Lüften Ueber blaue Berg' und Seen Ziehn zur Ferne nach den Klüften, Wo die hohen Cedern ſtehn,

Wo mit ihren goldnen Schwingen Auf des Benedeiten Gruft

Engel Hoſianna ſingen

Nächtens durch die ſtille Luft.

Joſ. Frhrr. v. Eichendorff.

47. Herbſt. as65

Die Sonne ſinkt, die Nebel wallen, Wie wird ſo plötzlich kühl die Luft! Aus düſterm Thal herüberklinget Manch Abendglöcklein durch den Duft.

Und mit des Feldes letztem Segen Das muntre Völklein heimwärts zieht, Und in der Heerden helles Läuten Miſcht ſich ein fröhlich Abendlied.

Schon flimmert durch den duftgen Nebel Ein Lichtlein aus dem Dorf hervor,

Und gaſtlich aus den ſtillen Hütten Zum Himmel ſteigt der Rauch empor.

Bald wird es rings ſo ſtill und düſter, Die Bäume rauſchen klagend nur Und leiſe fallen ihre Thränen,

Die gelben Blätter, auf die Flur.

Doch in der Hütte engem Raume

Iſt ſtille Heiterkeit erblüht, Die Lampe ſtrahlet freundlich helle, Der alte Ofen wärmt und glüht.

*) Im Frühjahr, ganz beſonders aber im Spätjahr ſind alle Hecken, Wieſen und Stoppeln ſo mit fliegenden Sommerfäden bedeckt, daß man bei jedem Schritt an und auf ſolchen Plätzen Füße und Kleider voll weißer Fäden bekommt. Eine glänzend ſchwarzbraune Spinne, nicht größer als ein Stecknadelkvpf, macht im September und Oktober auf den Stoppelfelbern die Gewebe. Sie überwintert, kommt bei ſonnigem Wetter im März wieder hervor und zieht ihre Fäden, die namentlich im Thau wie der feinſte Flor erſcheinen. Wind und Wettet reißen einzelne. Fäden los, die dann in der Luft herumfliegen. Der Landmann ſagt im Frühling:Der Sommer kommt an, im Herbſte aber, wo ſie häufiger ſind:Der Sommerfliegtweg