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Blüten deutscher Dichter nebst Poetik und Literaturgeschichte ... / bearb. von J. Schenckel
Entstehung
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Ach in dieſen blauen Tagen, Die wie Wellen ſo gelinde Mich ins Leben weiter tragen,

Muß ich hoffen, muß ich fragen,

Ob ich nie dich wiederfinde

Liebling meiner Seele du! Emanuel Geibel.

42. Herbſtlich ſonnige Tage.

Herbſtlich ſonnige Tage Mir beſchieden zur Luſt, Euch mit leiſerem Schlage Grüßt die athmende Bruſt.

O, wie waltet die Stunde Nun in ſeliger Ruh!

Jede ſchmerzende Wunde Schließet leiſe ſich zu.

Nur zu raſten, zu lieben, Still an ſich ſelber zu baun Fühlt ſich die Seele getrieben, Und mit Liebe zu ſchaun.

Und ſo ſchreit ich im Thale, In den Bergen, am Bach, Jedem ſegnenden Strahle, Jedem verzehrenden nach.

Zedem leiſen Verfärben Lauſch ich mit ſtillem Bemühn, Jedem Wachſen und Sterben, Jedem Welken und Blühn.

Selig lern ich es ſpüren, Wie die Schöpfung entlang Geiſt und Welt ſich berühren Zu harmoniſchem Klang.

Was da webet im Ringe, Was da blüht auf der Flur,

Sinnbild ewiger Dinge Iſts dem Schauenden nur.

Jede ſproſſende Pflanze,

Die mit Düften ſich füllt, Trägt im Kelche das ganze Weltgeheimniß verhüllt.

Schweigend blickts aus der Klippe, Spricht im Quellengebraus; Doch mit heiliger Lippe

Deutet die Muſ' es aus.

Emanuel Geibel.

43. Mir gefällt der Herbſt, der klare, Weil er iſt die Zeit im Jahre, Die im Lebenskreiſe biſt Alter, du, und ich gewahre, Daß an dir mein Jahr nun iſt. Mir gefällt der Herbſt, der klare, Weil er ſpät vom frühen Jahre Bringt den milden Widerglanz, Wie ich flecht in greiſe Haare Einen Jugendliederkranz.

Der klare Herbſt.

Mir gefällt der Herbſt, der klare, Weil er feierlich die Bahre Der erblichnen Freuden ſchmückt, Und ich an mir ſelbſt erfahre,

Daß die Wehmuth mich beglückt. Mir gefällt der Herbſt, der klare, Weil er bringt zu Markt, als Waare Frucht, die flüchtge Blüte war; Wie ich meinem Winter ſpare, Was mein Sommer heiß gebar.

Mir gefällt der Herbſt, der klare, Der das beſte Korn vom Jahre Ausſtreut für die künftge Zeit,

Wie ich Keim in mir bewahre,

Reifend zur Unſterblichkeit. Friedr. Rückert.