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men. Das Ilion unſerer Tage, wovor die ganze Jugend unſers Vaterlandes ſich lagert und ihre Kämpfe beſteht, iſt ihre Verzweiflung an der Wirklichkeit, die ſie nicht kennt und die ſie darum, zu ihrem Drachen zurechtgemalt, als ein neuer St. Jörge bekämpft. Ihr Glaube iſt der Gedanke, daß ihre unbeſtimmte Sehnſucht und ihr blaſſes Bild eines Neuen alles Wirkliche weit verdunkle; und ſo fühlt ſie das Blut der trojaniſchen Helden und aller Helden der Welt in ihren jugendlichen Adern gähren, ſo lange bis ſie ihre eigne Verzweiflung plötzlich über⸗ windet, ſei es in dem hölzernen Pferde der Hegelſchen Philoſophie oder durch das große Thor des Staats⸗ dienſtes und der bürgerlichen Stellung, die dann von ſelbſt in der Wirklichkeit allerhand Weiſes aufdeckt. Aber vorher muß der neue Odyſſeus vieles erdulden, und es ereignet ſich wohl, daß er manches Haar aus ſeinem Scheitel verliert, bevor er nach Ithaka zurückkehrt und den Rauch ſeiner Heimath zum Ziel ſeiner Sehnſucht, die Wiederkehr in die Wirklichkeit zu ſeiner Befriedigung macht. Und warum wollen Sie nicht der geniale Odyſ⸗ ſeus ſein und den Haudegen Axel einen Achilleus vor⸗ ſtellen laſſen? Deſſen Geſchichte iſt damit natürlich zu Ende, die Ihrige aber beginnt erſt recht, denn das Ideale, wofür Sie früher zu raſch ein Schattenbild Ihrer Einbildung nahmen, verlieren Sie nicht; Sie ſelbſt ſind das Geiſtige, und nicht mit Unrecht erwarte ich, daß Sie der Kunſt als der ächten Vermittlerin des Gött⸗ lichen eben ſo treu ergeben bleiben werden, als Axel ihr ſeiner Natur nach abgewendet iſt. Auch dies Beſtreben


