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alles heraus haben bis auf das letzte Tittelchen! und ſollt' es ſich ausweiſen, daß dieſe Leute verlaufene Ber⸗ liner Hochverräther ſind, ſo werd' ich bei dem Groß⸗ herzog einkommen, daß der Jude den Beinamen Retter des Vaterlandes bekommt; Vater des Vaterlandes kann er nicht heißen werden, denn das iſt der G oßherzog ſelbſt, aber daß er uns aus dem Nachen des Aufruhrs gerettet hat, das ſeht ihr ſelbſt ein.
Ja das iſt richtig, Herr Burgemeiſter, aber er iſt ein Jude und ein Schuft von einem Juden, der nicht ſo viel Herz im Leibe hat, als der magerſte von meinen Hammeln, die ich zum Markttag ſchlachte. Wir ſollten ihn nicht mehr ehren, als wir einen ehrlichen Chriſten auch thun.
Schweigt ſtill, Gevatter, die Sache könnte Euch übel ausgelegt werden, weil hier von Aufrührern die Rede iſt. Geht nach Hauſe und widerſprecht mir nicht, die Polizei kann die Juden nicht entbehren, denn wo kein Chriſt hinriechen mag, da haben ſie ihre Naſe, als wäre ſie angenagelt, wenns nur Verdienſt giebt.
Man führte uns ab, man ſetzte uns gefangen, man gab uns Waſſer und Brod, man fragte uns nach unſerm Stand und Herkommen, und weil man alles für erlogen hielt, drohte man uns mit Schlägen, wenn wir nicht die Wahrheit geſtünden.
Du erinnerſt Dich des Anfangs meines Briefes und wie ich Gnade gefunden vor den Augen eines wohl⸗ weiſen Rathes und geſtrengen Burgemeiſters. Komm
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