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Wittgens Raubschloß : eine Sage / [August Rublack]
Entstehung
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Doch unterbrach der große Verluſt dieſelben nicht, und am 23. April, Morgens um 6 Uhr, fingen die Stuͤcke auf den Steinwaͤnden jenſeit der Elbe an, auf's Schloß zu ſchießen. Die Beſatzung, welche aus einigen hundert churfuͤrßlichen Solda⸗ ten und dem pirnaiſchen Defenſion⸗Faͤhnlein beſtand, hielt ſich des Angriffs gewaͤrtig; entſchloſ⸗ ſen das Aeußerſte zu wagen; um ſich des Lebens Hoͤchſtes zu erhalten, vertheidigten auch die Buͤr⸗ ger, unter Anfuͤhrung ihrer Muſterherren, die Mauern, und bald machte dieſe Blutarbeit die bange Ahnung vergeſſen, welche manches brave Herz bei dem Schlage der Sturmglocke durchdrang. Noch immer toͤnte ihr Huͤlferuf durch die Lufte, und berſchmolz mit dem lauten Gebete jammern⸗ der Franen und dem Donner des Geſchuͤtzes, zu einer gräßlichen Diſſonanz. Aus allen Batterieen beſchoß jetzt der Feind die Mauern der geaͤngſtig⸗ ten Stadt. Jedem Schuſſe ward eine Antwort; aber um 10 Uhr wankte das Rondel des Dohnai⸗ ſchen Thores, von dem Kugelhagel der 5 Car⸗ thaunen, welche in der Breitengaſſe ſtanden, und wen er nicht niederwarf, den zerſchmetterten die lenden Bruſtwehren des Thurmes. Da bebte slich die Erde! die Haͤuſer etzitterten! ein di⸗