17 ſie ſtarben beide an einem Tage an der Cholera— hatten ſie der Kochter verziehen; aber da ſie ſchnell und unvor— bereitet aus der Welt gingen, blieb das Teſtament, wel⸗
ches ſie enterbte, unverändert.
Ihr älteſter Bruder, der Majoratsherr, befand ſich damals in Italien; ihre fünf Geſchwiſter meinten, daß ſie für ihren Stand und ihre Verhältniſſe ſelbſt ſehr wenig hätten, keins derſelben trat freiwillig an Frau von Rainsdorf etwas ab, dieſe aber fühlte ſich ſchon glücklich, daß die Altern nicht in das Grab geſtiegen waren, ohne ihr ihren Segen hinterlaſſen zu haben.
Der älteſte Bruder, der beſte unter ihren Geſchwi⸗ ſtern, der in ſeiner Kinderzeit dieſe Schweſter am meiſten geliebt hatte, ſchrieb nach dem Tode der Altern zuwei⸗ len an Frau von Rainsdorf und legte ſtets ein kleines Geldgeſchenk für Hermine bei, welche nach ihm, der Hermann gerufen ward, genannt war. Als daher neun Jahre nach dieſer Verſöhnung Frau von Rainsdorf ihr Ende herannahen fühlte, ſchrieb ſie an dieſen Bruder und empfahl ihm und ſeiner Großmuth die verwaiſte Tochter.
Graf Hermann war kein Mann ohne Herz; er fühlte ſich durch das Vertrauen ſeiner Schweſter gerührt und als Verwandter verpflichtet, dem verlaſſenen Mädchen ſeinen Schutz angedeihen zu laſſen. Seine Gemghlin, eine


