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Ich ſchaͤme mich, Guſtay, aber nicht deswegen; auch ich habe gedacht und gepruͤft, doch die Spitz⸗ ſindigkeiten der Vernunft muͤſſen den Erfahrungen meiner truͤben Jugendjahre weichen. Ich muß an
vieles glauben, was Dein gluͤcklicher, ungefeſ⸗
ſelter Sinn Aberglauben nennt; aber ich ſchäme mich, weil ich in einer ſchwachen, unbewachten Stunde dem nachgegeben, was ich fuͤr verwerflich und abſcheulich halte. Ich ſchaudere vor der Ge⸗ walt meiner blinden Leidenſchaft, jetzt ſehe ich wohin ſie mich fuͤhren kann. Sollte dieſe Stunde mich nicht heilen, wohlan! dann magſt Du
Alles erfahren, jetzt ſollſt Du nur die Geſchichte
dieſer Nacht mit wenigen und kurzen Worten vernehmen. Hörteſt Du nicht ſelbſt, wie mich das teufliſche Weib faſt nur mit einem Worte dem Himmel und der Hölle uͤbergab? Wo ich verſchmaͤht wurde, ſollte ich Liebe erringen; ſie, ſie ſollte ich beſitzen; ich ſtand wie gelaͤhmt vor Ueberraſchung, vor Freude; ich empfand nur die Flammen, die um meine Seele loderten, nur dumpf ver⸗ nahm ich noch die Worte:„Ich gehe zu ihr,“ dann kehrte Lebenskraft und Mark in die Glieder
zuruck; ich ſtuͤrzte der Alten nach.— Ich weiß F. 16
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