fatalen Brief meine Beſonnenheit ſo ganz ver— loren, daß ich ohne mir Zeit zur Ueberlegung zu laſſen, nur der Angſt meines bebenden Her⸗ zens, das mich dahin zog, folgte, und meines Gatten ganz vergaß. Ich weiß nicht, war es die Ueberzeugung, daß mein Mann ein ſolches Unternehmen nie wuͤrde gebilligt haben, ver⸗ bunden mit dem Gefuͤhl, das mir ein zu wei⸗ ches Mitleid einfloͤßte, daß Niemand ſo ſcho⸗ nend wie ich hier verfahren koͤnne, oder war es eine Vorherbeſtimmung, daß die fruͤher durch meine erſte Unbeſonnenheit verletzte Sitte end⸗ lich durch die Ausfuͤhrung eines ſo unſinnigen Gedankens Gelegenheit finden ſollte, ſich an der, welche im ſtolzen Bewußtſeyn ihrer inne— ren Schuldloſigkeit, ihrer geſpottet, ſchmerzlich zu raͤchen? Genug, von einem alten treuen
Diener begleitet, dem ich Stillſchweigen gebo⸗
ten hatte, und von dem ich wußte, daß er fuͤr mich ins Feuer gehen wuͤrde, begab ich mich⸗ trotz meines Entſchluſſes, mich nie mehr zu verkleiden, aufs neue in Mannskleidern in das
angezeigte Haus.“


