32
ſeine Kleidung für eine tſcherkeſſiſche nehmen konnte. Er ſaß da, ſeinen Nachbar rechter Hand umarmend und bit⸗ terlich weinend. 5
„Nun, höre auf, Tſcherkeſſe, genug geſchluchzt: Du haſt Deine Portion abgejammert: trinke noch ein Glas, ſo, jetzt wird Dir leichter um's Herz.“
„Ach, wie ſoll ich nicht weinen,“ ſagte der Tſcher⸗ keſſe mit einer ſingenden Stimme.„War das recht, was wir mit dieſen Kindern thaten?.. Meine Täubchen!... Was wird man nun vom Tſcherkeſſen ſagen. Es waren ja nur Kinder nicht erwachſene Menſchen... „Was Du da plauderſt, was waren ſie für Kinder? Bei Dir iſt alſo auch Fedulka ein Kind?“
„Nein, Fedulka iſt ein Teufelchen, aber kein Kind.“
„Weine nicht, ſage ich Dir. Der Zerlumpte iſt nicht beſſer als Fedulka, auch aus dem Geſchlechte der Teufel.“
„Aber immer noch ein Kind.. Und das Mäd⸗ chen! Warum haben wir ſie beleidigt?“
„Trinke, trinke nur ſchneller.. ſonſt zerfließſt Du in Thränen.“
Der Tſcherkeſſe ſtürzte ein großes Glas Branntwein hinunter; aber je mehr er trank, deſto mehr weinte er und nicht nur um die Kinder allein, wie er den Zer⸗ lumpten und Jenny nannte.. Der Umſtand, daß ſie
zur ſelben Zeit entführt worden, beſtätigte ſich immer mehr Der Nachbar tröſtete ihn fortwährend und ſchenkte immer ein und trank ſelbſt mit: nach ſolchen öftern Manipulationen iſt es kein Wunder, daß die Flaſche leer wurde. Der Tſcherkeſſe beweinte auch ſie, doch die Thränen verwandelten ſich nicht in Branntwein; er ſtreckte daher die Hand aus nach der Flaſche unſeres alten Be⸗ kannten— Oßka, der unweit ganz allein ſaß und ein Liedchen brummte. Oßka blickte mit Verwunderung auf eine ſo offene Verletzung des Eigenthumsrechtes, die bei
ihnen nur gegen einen Fremden, aber nicht gegen einen


