Druckschrift 
Petersburg am Tage und bei Nacht. 5.-8.Bändchen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

rundum ein leerer Platz, unweit die Newa. Jaſchelbizin trat ans Ufer und beſtieg durch ein ſchmales Brett eine zum Heutransporte dienende Barke. Die ihrem Kamera⸗ den gefolgten jungen Leute blieben verwundert an der Ecke des von außen höchſt ärmlichen Gaſthauſes ſtehen. Jaſchel⸗ bizin verſchwand unter dem Heu auf dem Grund des Boo⸗ tes; die jungen Leute ſtanden noch da und erſtaunten immer mehr. Jaſchelbizin kam wieder zum Vorſcheine, in einem ſchmutzigen Schlafrocke ſtatt der Vizeuniform, die er vor ein Paar Minuten an gehabt hatte. Sorglos ſtreckte er ſich auf das trockene und wohlriechende Heu, ſchien ſich an ſeiner Unthätigkeit zu ergotzen und blickte auf das herrliche Panorama der in einen leichten Nebel gehüllten Newa, wie auf die Zimmerdecke der Kanzlei, die auf ihr herumſpazierenden Fliegen bewundernd. Die jungen Leute lachten laut auf und gingen davon, mit ihrer Entdeckung ſehr zufrieden. Jaſchelbizin wendete un⸗ willkührlich den Kopf nach der Seite, von wo das Lachen herſcholl; ſeine Lippen verzogen ſich ganz eigenthümlich. Dann verblieb er wieder in der Stellung eines Menſchen, der etwas aufmerkſam betrachtet und doch nicht ſieht. Die Dämmerung ſenkte ſich immer tiefer und tiefer. Das prächtige Petersburg hüllte ſich gravitätiſch in ſeinen Ne⸗ belmantel. Jaſchelbizin ſeufzte war es ein freies Aufathmen oder ein bitterer Seufzer, der liebe Himmel mags wiſſen! Er ſtieg auf den Grund der Barke hinab und zeigte ſich erſt gegen Mitternacht am Ufer; und die Kanzleibeamten erzählten hernach, daß Jaſchelbizin auf einer Heubarke wohnt und nach ſeiner Art ſich Naturge⸗ nüſſe verſchafft; man ſprach davon, machte Witze darüber und vergaß es. Vielleicht war dies eben Jaſchelbizin nöthig, denn hätten unſere jungen Leute nicht dieſe wich⸗ tige Entdeckung gemacht, wie viele Muthmaßungen, wie viele Vermuthungen würden ſie nicht erdacht haben, wie würden ſie ihr Gehirn in Unkoſten geſetzt haben; viel⸗ leicht würden ſie ſogar zufällig die Wahrheit errathen haben.