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Petersburg am Tage und bei Nacht. 1.-4. Bändchen
Entstehung
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Man ſagt, daß Koketten ihre Blicke einſtudiren und ſie nach freiem Willen regieren; doch kann man kühn behaupten, daß ſie mit ihnen nür unerfahrene Jünglinge oder abgelebte Greiſe betrügen konnenz ein Mann, deſſen Herz bereits geſprochen hat, wendet ſich verächtlich von ſolchen Blicken ab. Leichter iſt es mit dem Klange der Stimme, mit Bewegungen, zu hintergehen: darum ſchla⸗ gen unſchuldige Mädchen, dieſes Gefühl inſtinktartig er⸗ rathend, verſchämt die Augen nieder, die Verwirrung ihres Herzens zu verbergen wünſchend.

Olgas Augen war jede Verſtellung fremd. Immer klar, von einem unbeſchreiblichen Lichte glänzend, waren ſie jetzt feucht, eingefallen, ſchwammen nicht in Thränen, nein, in Gefühlen, die niemand errathen hätte, die ſie ſelbſt nicht begriff; früher flogen Olgas Augen von einem Gegenſtande zum andern, jetzt blieben ſie langſam, wie ermüdet auf irgend einem Gegenſtand haften, den ſie gar nicht bemerkten. Immer der treue Spiegel ihres Gemüthes, glichen ihre Augen früher einem glatten, klaren Spiegel; jetzt ſchien ein glühender Hauch über ſeine Ober⸗ fläche gefahren zu ſein, der noch immer nicht verſchwunden war. Sonſt war Olga ganz die frühere, höchſtens etwas bläſſer; ihr gutmüthiger Charakter wurde durch ihren aufgeregten Gemüthszuſtand nicht reizbarer.

Ich wollte mich mit Ihnen berathen, Olga Pe⸗ trowna, wiederholte Piroſchkow in Betreff eines wichtigen Umſtandes.

Worüber? fragte Olga, es nicht ſonderbar findend,. daß der gute Lehrer bei ihr Rath ſuche, ſondern ſich nur verwundernd, daß er außer ſeinen gelehrten Kombinationen, in welchen ſie ihm natürlich nicht rathen konnte, noch Sorgen haben könne.

Erinnern Sie ſich des jungen Mannes, der vor zwei Wochen aus Irrthum hier eintrat und nach mir fragte?. der uns alle ſo ſehr erſchreckt weil er ſo unerwartet, ſo plötzlich erſchienen war?

Petersburg am Tage ꝛc. 1. 13