Zweites Kapitel. Vas Geheimniß.
Erſt gegen Abend, und das durch die Hilfe ſeiner Gönner, oder richtiger Gönnerinnen, die, wie wir ſehen werden, der Zerlumpte hatte, gelang es ihm, ſeinen Va⸗ ter aus dem Armenhauſe zu befreien, und nun führte er ihn in die für ihn bereitete Wohnung. Man muß ein eigenthümliches Gefühl der Abneigung für geſchenktes Brod, ein inſtinktives Schamgefühl vor der Armuth be⸗ ſitzen, um das reinliche Bett des Armenhauſes gegen die Wohnung auszutauſchen, in die der Zerlumpte ſeinen Va⸗ ter brachte. Der Alte hatte übrigens ſchon ſeine Zeit vurchlebt, und aus der apathiſchen Bewegung ſeiner Glie⸗ der, aus den ſtarren, lebloſen Augen, wie aus dem auf der Bruſt geneigten Haupte konnte man leicht entnehmen, daß der Zerlumpte nicht für lange dieſen halberkalteten Körper hier einquartirt hatte.
In einem feuchten Kellergewölbe, von einem trüben Nachtlichte erleuchtet, lagen auf ſchmutzigen Pritſchen einige Büſchel Stroh und ein Paar von Fett glänzende, zerriſſene Matten. Aus den Lumpen, welche auf ihnen lagen, war zu erſehen, daß jedes Strohbüſchel ſeinen eige⸗ nen Herrn habe: es waren abgeſonderte Quartiere; nur einige Bewohner waren zu Hauſe; die andern kamen ge⸗


