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Die alte Jungfer : eine Erzählung / von der Verfasserin des "Tagebuchs eines armen Fräuleins" [d.i. Marie Nathusius]
Entstehung
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wenn ich auch nicht darin leſe, es nur in der Hand be⸗ halte und meinen Gedanken folge. Heute blieb es auch bei den Gedanken, ich ſchaute in den klaren Himmel immer tiefer hinein, das Blau war zu ſchön, zu rein und zu er⸗ quicklich, und der Wald ſo grün und ſtill. Nichts iſt ſe⸗ liger als ſolche Einſamkeit, daß man es nicht beſchreiben kann, möchte oft das Herz beengen; alle Welt ſollte es ja wiſſen, wie ſelig es iſt, den Herrn lieben. Jeder Tag, trotz der Unruhe des täglichen Lebens muß doch einen ſol⸗ chen Ruhepunkt haben:

Hoch, ſo hoch du kannſt erheben

Deine Sinnen von der Erd,

Schwinge dich, dem zu ergeben

Was du haſt, der dein iſt werth!

Dein Jeſus iſt,

Der um dich ſo treulich wirbet

Und für dich aus Liebe ſtirbet,

Drum du ſein biſt.

Ich ging den Wald entlang, ich ſah das Schlößchen liegen wie immer, die Hirſchgeweihe fein und klar gegen den blauen Himmel, der Sonnenſchein ſo ſtill darüber. Ich trat auf den Raſenplatz, nichts regte ſich, nur der Brunnen rauſchte ſo kühl, die Fenſter des Saales ſtanden wieder offen, ich konnte nicht widerſtehen, ich ſtieg auf das Geſims. Ja, der Herr im grünen Jagdrock und die junge Dame im Reitkleid ſchauten mich wie damals an, von der andern Seite aber vegrüßte mich ein fteundliches: Guten Morgen! Ich trat in den Saal und bat um Verzeihung

wegen meiner romantiſchen Laune. Herr von Hartwig und