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Die alte Jungfer : eine Erzählung / von der Verfasserin des "Tagebuchs eines armen Fräuleins" [d.i. Marie Nathusius]
Entstehung
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nicht oft zuſammen und Schwägerinnen lieben ſich ſelten, ſagte er, aber wo ein Glaube, eine Liebe und eine Hoff⸗ nung das Herz bewegt, da wird es immer weiter und rei⸗ cher und lernt immer treuer und inniger lieben, Du wirſt immer meine liebe Schweſter ſein. Wir verabredeten, wenn ich auf dem Schloſſe nicht mehr nöthig ſei, ſollte ich wie⸗ der zu ihm kommen. Meine Kinder werden mit des Herrn Hülfe immer größer, ſagte er, Du kannſt ſie dann unter⸗ richten, ich mag doch gern, wenn ſie recht geſcheit und gebildet werden. Ich mußte lächeln, es war das ein An⸗ klang an ſeinen früheren Reſpekt vor meiner Bildung. Den 5. Auguſt.

Heute war Eugenie zum erſtenmal mit ihrem kleinſten Töchterchen hier, Frau von Müggeburg freute ſich ſehr. Eugenie hat ſich wieder erholt und iſt friſch und vergnügt. Was ſollten ihre Kinderlein aber hier bei den Großeltern wohl anfangen, wenn Tante Anna nicht hier wäre? Ich ſpiele ſchon ein wenig die Rolle einer alten Haushälterin, die beginnt allmächtig zu werden und ſelbſt die Tochter vom Hauſe unter dem Pantoffel hält. Ich necke Eugenien damit. Tante Adelgunde hat mir heute geſchrieben, ſie kann in dieſem Sommer nicht kommen. Der Brief war ziemlich freundlich.

Den 19. October. Die Tage werden ſtürmiſch und trübe, es wird mir zuweilen bange im einſamen ſtillen Schloß bei den alten kranken Leuten. Meine Sehnſucht trieb mich nach dem