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Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
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bittern Stunde nach einem wirklichen Leben geſehnt hatte, fühlte ſich um ſo ſeliger darin.

Und wenn ich dann den ganzen Tag ſo thätig gewe⸗ ſen bin, fuhr Roſa mit lieblichem Lächeln fort,dann bin ich um ſo glücklicher, wenn ich des Abends beim Silberlichte des Mondes den ſüßen, bezaubernden Tönen von Walther's Flöte, durch welche ich ihn zuerſt kennen lernte, lauſchen kann. Dann fühle ich mich ſo ſelig, ſo ruhig, ein ſüßes Träumen bemächtigt ſich meiner, Tauſende von Geſtalten ſchweben an meiner Seele vorüber, doch immer nur iſt es ſein Bild, das vor allen andern auftaucht, auf ihn allein iſt mein ganzes Fühlen und Denken gerichtet.

Wie herrlich die Sonne heute untergeht, rief plötz⸗ lich Nordeck, welcher zurückkehrend mit Meta, die im Garten umhergeſchweift war, die Anhöhe erſtiegen hatte.

Sie geht zum letzten Male über unſerem Zuſammen⸗ ſein unter, ſagte Roſa, einen wehmüthigen Blick auf Lu⸗ cien und Eliſen werfend.

Traure nicht, meine Roſa, ſagte Walther, ihre kleine Hand erfaſſend,Trennung iſt ja immer nöthig im menſchlichen Leben und hoffentlich wird das Morgenroth recht bald über unſerm frohen Wiederſehen leuchten.