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auf, ſelbſt eine Blume des Frühlings. Sie hatte ſeit den letzten Jahren eine innige Freundſchaft mit Eliſe Waldau geknüpft, was Frau von Reichenbach nicht gern ſah, denn ſie war immer noch eine gar ſtolze Frau und Eliſe war arm. Der Vater de rn war früh geſtorben; Lucie, ihre jetzt i veſter wurde bei ihrer Tante, der Frau eines Lanpredigers, erzogen, ſo daß Eliſen ſelbſt noch die Sorge für ihre jüngſte Schweſter, Meta und die Pflege ihrer ſi 8 kränkelnden Mutter überlaſſen blieb. Sie gab den vornehmern Töchtern im Städtchen Unterricht im Clavier⸗ ſpiel, in der franzöſiſchen und engliſchen Sprache, um ihren Unterhalt dadurch zu erwerben.
Frau von Reichenbach war ſehr erfreut darüber, daß endlich der Augenblick nahe kam, das ihr unangenehme Ver⸗ hältniß der beiden Mädchen abzubrechen. Vor einigen
Tagen nämlich hatte ſie die Nachricht erhalten, daß der ältere Bruder ihres Vaters, der in der Hauptſtadt gelebt hatte, geſtorben ſei. Die beiden Brüder hatten nie einen freund⸗ ſchaftlichen Umgang mit einander gehabt, da der Onkel ein ſtilles, zurückgezogenes Leben führte und alle Vergnügungen haßte; Marien liebte er daher gar nicht, und da er erfahren, daß Helene eine Tochter hinterlaſſen, ſo hatte er Roſa zur alleinigen Erbin ſeines ſehr bedeutenden Vermögens einge⸗ ſetzt. Frau von Reichenbach beſchloß hierauf ſogleich das Städtchen zu verlaſſen und das prächtige Haus des Onkels in der Hauptſtadt zu beziehen. Roſa war keineswegs erfreut
darüber; denn ſie mußte ja nun Alles, was ſie liebte, die


