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„bete für ſeine Seele; obſchon wir für gewiſſermaßen an⸗ nehmen können, daß er in dieſer Stunde dort oben für uns betet.“
„Ich ſah es nur zu deutlich,“ antwortete Reuzo. Auch war dieß nicht die einzige Saite von traurigem Klang, die in dieſer Unterredung angeſchlagen wurde. Aber gleichviel; welcher Gegenſtand auf's Tapet kommen mochte, für ihn war das Geſpräch immer genußreich. Gleich jenen un⸗ artigen Pferden, die plötzlich ſtehen bleiben und ſich feſt aufpflanzen, dann erſt einen Fuß und wieder einen auf⸗ heben und ſie wieder auf dieſelbe Stelle zurückſetzen und tauſenderlei Umſtände machen, bevor ſie einen Schritt thun, dann aber auf einmal im ſtärkſten Lauf dahinraſen, wie von einer Windsbraut entführt, ſo war für ihn die Zeit geworden. Vorher hatten ihm die Minuten wie Stunden geſchienen, jetzt erſchienen ihm die Stunden als Minuten.
Die Wittwe ſtörte die Geſellſchaft nicht nur nicht, ſondern paßte ſogar trefflich zu ihr, und Nenzo hätte ſich, als er ſie auf jenem elenden Schragen ſah, niemals ein⸗ gebildet, daß ſie ſo heiter und geſellig ſein könne. Aber Lazareth und Landluft, Tod und Hochzeit ſind auch nicht eines und daſſelbe. Mit Agneſe hatte ſie bereits Freund⸗ ſchaft geſchloſſen, und was ihr Verhältniß zu Lucia betraf, ſo war es ein Vergnügen, ſie zugleich zärtlich und heiter ſcherzend gegen ſie zu ſehen, zu beobachten, wie artig und zwanglos ſie das Mädchen anzuregen wußte, wenn es nöthig war, ihrem ganzen Weſen und ihren Worten etwas mehr Seele einzuflößen.
Renzo ſagte zuletzt, er gehe zu Don Abbondio, um die nöthige Verabredung wegen der Trauung mit ihm zu treffen. Er ging auch wirklich und ſagte mit einer ge⸗ wiſſen Miene höflichen Scherzes zu ihm;„Herr Pfarrer, iſt Euch endlich das Kopfweh vergangen, wegen deſſen Ihr uns nicht trauen zu können behauptet habt? Jetzt iſt unſere Zeit gekommen, die Braut iſt da, und ich möchte


