Teil eines Werkes 
9.-13. Bdchn. (1851)
Entstehung
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kein erdiges Weſen, denn ſonſt würde ſie ſichtbar ſein. Ebenſo wenig iſt ſie ein zuſammengeſetztes Weſen, denn ſie müßte ſonſt jedenfalls für das Auge oder das Gefühl wahrnehmbar ſein; und wer hat je dieſe Seuche geſehen? Wer hat ſie befühlt? Bleibt alſo noch zu ſehen, vb ſie eine zufällige Eigenſchaft ſein kann. Das iſt noch ſchlim⸗ mer als ſchlimm. Dieſe Herren Doctoren ſagen uns, daß ſie ſich von einem Körper dem andern mittheile; denn dies iſt ihr Hauptgrund, dieß ihr Vorwand, um ſo viele unge⸗ räumte Verordnungen zu erlaſſen. Angenommen nun, ſie ſei eine Eigenſchaft, ſo müßte ſie eine übertragene Eigen⸗ ſchaft ſein, zwei Worte, die ſich nicht zuſammenreimen laſſen, ſintemal es in der ganzen Philoſophie keine klarere, und einleuchtendere Sache gibt, als die, daß eine Eigen⸗ ſchaft von einem Körper nicht zum andern übergehen kann. Wenn ſie aber, um dieſe Schlla zu vermeiden, den Rück⸗ zug antreten und ſagen, ſie ſei eine erzeugte Eigenſchaft, ſo entfliehen ſie der Schlla und verſinken in die Charybdis; denn wenn ſie erzeugt iſt, ſo theilt ſie ſich alſo nicht mit, pflanzt ſich nicht fort, wie die Leute da faſeln. Sind aber dieſe Grundſätze feſtgeſtellt, warum dann ſo viel Geplauder von Flecken, Geſchwüren, Beulen?“

„Lauter Faſeleien!“ entfuhr es einmal einem Ge⸗ wiſſen..

„Nein, nein,“ erwiederte Don Ferrante,„das ſage ich nicht, die Wiſſenſchaft bleibt immer die Wiſſenſchaft. Man muß ſie nur anzuwenden wiſſen. Flecken, Geſchwüre, Karbunkeln, Speicheldrüſenentzündungen, violette Peſtbeulen, ſchwärzliche Blattern find lauter achtungswerthe Worte, die ihre gute und feſtgeſtellte Bedeutung haben; aber ich ſage uur, daß ſie bei dieſer Frage Nichts entſcheiden. Wer will läugnen, daß es ſolche Dinge geben könne, ja ſogar wirklich gebe? Es kommt nur Alles darauf an, woher ſie entſlehen.“

Hier begannen die Leiden auch für Don Ferrante. So lange er ſich bloß gegen die Meinung von der Seuche auflehnte, fand er allenthalben wohlgeneigtes, freundliches