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„O die ſchwarze Seele! O der Höllenbrand!“ rief Agneſe;„aber ſein Stündchen wird ſchon auch kommen. Der liebe Gott wird ihm nach ſeinen Werken vergelten und dann wird auch er erfahren.
„Nein, nein, Mutter, nein!“ fiel Lucia ihr ins Wort; „Ihr müßt ihm kein Unglück wünſchen, Ihr müßt Nie⸗ mand etwas Böſes wünſchen. Wenn Ihr wüßtet, was es heißt zu leiden! Wenn Ihr es erfahren hättet! Nein, nein, laßt uns lieber zu Gott und der Madonna für ihn beten, daß Gott ſein Herz rühre, wie er dem andern Herrn gethan, der noch ſchlimmer war als er und jetzt ein Heiliger iſt.“
Lucia empfand einen ſolchen Schauder vor der Wieder⸗ auffriſchung ſo neuer und ſo ſchmerzlicher Erinnerungen, daß ſie mehr als einmal mitten inne hielt; mehr als ein⸗ mal ſagte ſie, ſie habe nicht Muth genug, fortzufahren, und dann nahm ſie erſt nach vielen Thränen und mit großer Anſtrengung das Wort wieder auf. Aber eine gonz andere Empfindung machte, daß ſie bei eier gewiſſen Stelle ihrer Erzählung, nämlich an der Stelle von dem Gelübde ins Soocken gerieth. Es war die Furcht, ihre Mutter möchte ſie unbeſonnen und übereilt ſchelten, oder auch ſie möchte wie ſie es bei der Trauungsgeſchichte gethan, irgend eine Lebensregel, die von einem weiten Gewiſſen zeuge, vorfinden und zur Geltung bringen wollen; oder auch die arme Frau möchte die Sache, wenn auch nur um Aufklärung und Rath zu erhalten, Jedermann im Vertrauen erzählen und ſie dadurch öffentlich machen, ein Gedanke der allein ſchon eine unerträgliche Schaam in Lucia he vorrief; dazu noch eine bereits vorhandene Verſchämtheit, ein Wiverwille, eine ſolche Sache überhaupt zu beſprechen, alle dieſe Dinge zuſam⸗ men bewirkten, daß ſie dieſen wichtigen Gegenſtand gänz⸗ lich verſchwieg und ſich in ihrem Herzen vornahm ihn zu⸗ erſt dem Pater Criſtoforv zu eröffnen. Aber wie wurde ihr, als ſie auf die Frage nach ihm zur Antwort erhielt,


