Druckschrift 
Der Seehof / von Fanny Lewald. Mit 30 Ill. von Heribert König
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

in Bremen ſei, und einer unſerer Commis, der mich am vorigen Abende be⸗ ſucht, hatte es auch nicht anders gewußt. Wie mein Vater plötzlich nach Berlin gekommen ſei, was er dort zu ſuchen habe, war mir nicht klar, und von meinem ſorgenvollen Mißtrauen getrieben, ſchlug ich den offenen Brief aus⸗ einander ihn zu leſen.

Es iſt noch in meinen Händen, dieſes unheilvolle Blatt, und ich ſetze ſeinen Inhalt hieher: Geſtern endlich iſt der junge Herzog gekommen, hieß es gleich zum Anfange. Sein Aeußeres iſt hochmüthig, wie ſeine Briefe es erwarten ließen. Wir hatten beide keinen Grund, das ſchriftlich vielfach Erörterte noch⸗ mals zu berühren, konnten alſo gleich zur Sache gehen, und der Herzog that dies auch.

Ich bin nicht im Stande, es Ihnen Dank zu wiſſen, mein Herr! ſagte er,daß Sie mich von dem Leben einer Dame unterrichtet haben, die ſelbſt gefühlt hat, daß ſie für ihre Familie todt ſein müſſe. Wenn ich dennoch Ihrer Aufforderung zu einem Rendezvons Folge leiſtete, ſo geſchah dies in der Abſicht, Ihnen einen Vorſchlag zu machen, deſſen Annahme ich von Ihrer Seite wohl erwarten darf. Ihr Herr Sohn hat die jüngſte Tochter meines Vaters der Herzog nannte ſie nicht einmal ſeine Schweſterentführt, nachdem er ein namhaftes Capital von uns in Händen hatte, und ſie iſt ihm angetraut mit ihrem freien Willen. Ich enthalte mich jedes Urtheils über dieſe Handlungsweiſe, und gehe gleich zu meiner Anerbietung über!

Ich war wenig begierig, dieſelbe kennen zu lernen, da ſie bei der hoch⸗ müthigen Sprechweiſe des jungen Herzogs mir im Voraus mißfiel, doch ſagte

ich, daß ich bereit ſei dieſelbe zu vernehmen.

Mir muß daran gelegen ſein, ſprach er kurz und ſchnell, wie er alles Vorhergehende auch geſprochen hatte,mir muß daran gelegen ſein, ich rede als zu einem Ehrenmanne freimüthig zu Ihnen, die junge Dame, welche Ihr Sohn entführt hat, in eine Lage zu bringen, in welcher ihre und unſere Wege ſich künftig in keiner Weiſe kreuzen. Nehmen Sie alſo die Frau Ihres Herrn Sohnes, wie ſie ein Recht hat es zu fordern, in Ihre Familie auf, laſſen Sie ſie immerhin als eine verwittwete Dubois gelten, damit unſer Name bei dieſer Angelegenheit aus dem Spiele bleibe, und empfangen Sie dagegen die Hälfte des bei Ihnen von meinem verſtorbenen Vater niedergelegten, und noch in Ihren Händen befindlichen Capitals als die Mitgift Ihrer Schwiegertochter.

Er ſprach das mit einer ſo anmaßlichen Zuverſicht, als mache er uns ein Zugeſtändniß damit, als müſſe ich die Großmuth dieſes Anerbietens bewundern,

deſſen Beleidigendes er in ſeinem ariſtokratiſchen Hochmuthe gar nicht zu ahnen

ſchien. Ich ließ ihn aber die Antwort nicht lange erwarten. Ich finde es ſehr natürlich, mein Herr Herzog, ſagte ich ihm, daß Sie nur an die Wahrung Ihrer Ehre und Ihrer Familienintereſſen denken, denn ich bin