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während welcher er gar keine Kunde von ſich gegeben hatte, noch am Leben ſo ſein ſollte; und erſt im Herbſte, als Mademviſelle Dubois geſtorben war, traf mein Bruder andere Einrichtungen. Er nahm die ſämmtlichen Kleidungs⸗ ſtücke, und was dazu gehörte, aus den herrſchaftlichen Zimmern mit nach der Stadt, ſorgte, daß die Haushälterin ihr Erbe erhielt, und ſetzte einen Gärtner, der lange in unſerer Familie gedient hatte, als Verwalter des Seehofes ein. Es wurden Vorkehrungen getroffen, durch Reparaturen aller Art den gänzlichen Verfall des Grundſtückes zu verhindern; man that das Nothwendige, dem Garten, dem Acker und dem Treibhauſe ſo weit als möglich aufzuhelfen, und allmählich gewöhnte mein Bruder ſich daran, das Landhaus als einen Ruheſitz für den alten Diener anzuſehen, und zufrieden zu ſein, wenn er von dort gelegentlich einen Korb Gemüſe geſchickt erhielt, ohne daß er wie früher eine jährliche Rente nach dem Seehof zu zahlen hatte.
Kurze Zeit darauf hatte mein Bruder ſich verheirathet, ſeine glückliche Ehe und ſeine große mercantiliſche Thätigkeit nahmen ihn gänzlich in Anſpruch. Ich aber hatte mich durch verſchiedene Rückſichten zu einer Ueberſiedelung nach Paris veranlaßt gefunden, wo ich mich förmlich eingerichtet und ſchon Jahr und Tag gelebt hatte, als meine Jungfer eines Morgens mit der Meldung bei mir eintrat, daß ein Fremder mich zu ſprechen wünſche, der ſich indeß geweigert habe, ihr ſeinen Namen zu nennen, oder ihr ſeine Karte zu geben.
Dann weiſen Sie ihn ab, ſagte ich, Sie wiſſen, daß ich ſolche geheimniß⸗ volle Gäſte nicht liebe und nicht annehme.
Das habe ich dem Herrn ſchon geſagt, antwortete ſie mit einer ihr ſonſt fremden Unſicherheit, er beſteht aber darauf, er müſſe Sie ſprechen. Es iſt ein alter, großer Herr mit grauem Haar. Er ſieht ganz ſonderbar aus in ſeinem Anzuge, er war auch gewiß noch niemals hier, und doch kommt er mir bekannt vor, als hätten wir ihn ſchon geſehen.
Das machte mich neugierig. Ich ließ den Fremden bitten, einzutreten.
Einen Augenblick darauf ſtand er vor mir: ein alter, großer, ſtattlicher Mann mit ſchneeweißem Haare, der auch mir durchaus bekannt erſchien, denn ſeine Aehnlichkeit mit unſerer Familie war ſo auffallend, daß ſie mich überraſchte. Die ſtarke, wohlgeformte Naſe, die freie Stirn, die großen braunen Augen unter ſtarken Brauen, die breiten Wangen, die Kraft des Mundes und des Kinnes, das alles war mir wunderſam vertraut. Um ſo fremder aber erſchienen mir die Kleidung und das Behaben meines Gaſtes.
Er trug die Tracht, welche zu Anfang unſeres Jahrhunderts Mode ge⸗ weſen war, und der man noch auf den Kupferſtichen aus jener Zeit begegnet. Es waren der damals übliche braune Ueberrock mit der kleinen Pellerine, die grauen, kurzen Beinkleider, die faltigen Stiefel mit den gelben Stulpen, die Klappenweſte von weißem Piqué, das große Batiſtjabot, die Buſennadel und


