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mußten. Aber es gelang uns, den Leichnam des Königs zu retten. Wir trugen ihn hinauf auf die höchſte Kuppe des Gebirgs. Dort liegt ein kleines Thal, das nur den Jägern und Hirten bekannt iſt. Sechszehn Gefangene mußten hier dem Könige das Grab bereiten. Ich und mein Bruder trugen ſeine irdiſchen Reſte und beſtatteten ſie, wie es den Gebeinen eines ſo großen Kriegers würdig iſt. Die Gefangenen, welche dieſes Geſchäft verrichteten, wurden nach der Sitte unſerer Väter auf dem Grabe geſchlachtet. Das Herz deines edlen Bru⸗ ders ruht nun in freier Erde; er wird drüben Diener finden, die ihm gehorchen und in den glücklichen Gefil⸗ den jene Leiden vergeſſen, die ihn hier ſo ſchwer be⸗ drückt haben.«
Munorvah ſchauderte bei der Erzählung dieſer grau⸗ ſamen That, durch die das Grab des Helden in finſte⸗ rem Wahne befleckt wurde; aber er kannte den Aber⸗ glauben, in welchem dieſe Krieger noch befangen waren und erwiederte:
»Mein Bruder, du haſt wohlgethan, die Leiche des Königs an einem Platze zu beſtatten, wo ſeine Gebeine ungeſtört und in Frieden ruhen werden. Doch jenes Orfer, welches du gebracht haſt, wäre beſſer unterblie⸗ ben. Die Geſtorbenen bedürfen keiner Diener mehr, es wird überhaupt im Lande der Vollendung jeder Unter⸗ ſchied des Ranges aufhören und der Knecht wird ſo


