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Täuschungen : historische Novelle / von Heinrich Koenig
Entstehung
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Alles ſtürzte aus den Häuſern, ja aus den Kirchen; doch noch ſchneller leerten ſich die Straßen wieder, als erſt einzeln, bald aber ziemlich häufig Kanonen⸗ kugeln und Haubitzgranaten auf die Dächer und in die Straßen ſchlugen. Der Nordoſtwind trieb einen ſchweren Pulverrauch vom Neu⸗ und Allerheil'gen⸗ thore her über die Stadt. Von jener Seite waren die Heſſen mit ſtillem Aufbruch in zwei Colonnen vorgerückt, während ſich ein Bataillon mit Huſaren

nach der Seite vor Sachſenhauſen wendete, die etwa dorthin abziehenden Franzoſen abzuſchneiden.

Bald erhob ſich ein neuer Lärm auf den ver⸗ einſamten Straßen, und lockte die blaſſen Geſichter der Einwohner hinter die Fenſterſcheiben. Scharen⸗ weiſe durchzogen die Handwerksgeſellen die Stadt

dahin, dorthin, beſonders nach dem Allerheiligen⸗ thor und nach dem Hauptquartier des Comman⸗ danten auf der Zeil. Moriz, auf dem Rückwege nach ſeinem Gaſthof, hörte zu ſeinem Schreck den Namen Radler aus dem Mund einzelner betrunknen Burſche mit dem Zuſatze: Der Verräther, der feige Flüchtling! ausrufen.