Druckschrift 
Täuschungen : historische Novelle / von Heinrich Koenig
Entstehung
Einzelbild herunterladen

348

ſorglichſte Bruderliebe ausſprach, ſo verſteckte ſich doch auch hinter dem Eifer, womit er ſich im Vertrauen auf dieſe Erwartung befeſtigte, eine heim⸗ liche Selbſttäuſchung, indem er ſo die vorwurfs⸗ vollen Gedanken an Cornelie zu verſcheuchen dachte, die wie witternde Raben die Gefahr umſchwebten, in die er den Bruder hatteziehen laſſen.

So nannte er es wenigſtens in der aufgeregten Stimmung ſeines entzweiten Herzens, und fiel im⸗ mer wieder in den bangathmenden Vorwurf, nicht genug für Lothar gethan zu haben.

Am andern Morgen ſtand ein winterlich⸗heitrer Himmel über der Stadt. Die aufgehende Sonne durchröthete den leichten Rauch der Schornſteine. Eine feierliche Stille herrſchte in den Straßen, bis die Glocken der verſchiedenen Kirchen zum Gottes⸗ dienſte läuteten.

Moriz, in Erwartung der Dinge, die da kom⸗ men ſollten, kleidete ſich an, und eilte in die Stadt. Es ging gegen neun Uhr, und er hatte das Ende der Zeil noch nicht erreicht, als ein heftiges Ka⸗ nonen⸗ und Rottenfeuer die Stadt aufſchreckte.