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Täuschungen : historische Novelle / von Heinrich Koenig
Entstehung
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Schauer überkam ihn bei dieſer Erinnerung. Wie durch einen Zauber fand er ſich in Gedanken weit, weit dem Ort entrückt, wo er eben wandelte. Er ſah ſich auf's Lebhafteſte auf dem Krankenlager in Berlin im Augenblick, als eben Cornelie mit ihrem Vater zu ihm an das Bett traten. Die Seene ſtand ſo lebhaft vor ſeiner Seele, daß er betroffen umherblickte, als müſſe er ſich der wirklichen Gegen⸗ wart verſichern. Und indem er ſich nun beſann, daß jenes Erlebniß wirklich in dieſelbe Zeit, einen oder zwei Tage vor Advent fiel, überſchauerte es ihn, wie von einer drohenden Erſcheinung. Die Glocken tönten fort, und ihre wechſelnden Klänge trafen ſein Herz wie mahnende, warnende Stimmen. Beſchämung, Reue, Angſt erwachten unerwartet in ſeiner Bruſt. Eine unbegreifliche Bangigkeit tricb ihn an, einigen herankommenden Menſchen aus⸗ weichend einen Pfad rechts einzuſchlagen, und ſo gelangte er mit Schritten wie eines Flüchtlings auf einen queren Fahrweg, neben welchem ein höherer Fußpfad hinlief.

Inzwiſchen hatte das Geläut ausgeklungen,