oder die Gefahren der Jugend. 31
Soph. In den Augen der Vernuͤnftigen— ja! aber die Vernuͤnftigen ſind ſo ſelten, als bie Leute, die die Pocken nicht gehabt haben.
Räthin. Sie hat Recht.
Soph. Der Fäͤhnrich Erlen iſt brav, hore ich oft. Dein alter Oberſter beſucht zuweilen meine Graͤfin an der Toilette, und ſpricht von dir und lobt dich. Dann wer⸗ den meine Augen feucht und der Kamm zittert in meiner Pand, daß die Haare der Gräfin es oft empfinden müſſen. Freylich ſchilt ſie dann uͤber meine ungeſchicklichkeit, aber mag ſie doch ſchelten; ich habe meines Bruders Lob gehoͤrt.
Fähnr. und nie entſchluͤpft der Name Bruder deinen Lippen?
Soph. Bin ich nicht lange genug in der großen Welt, um zu wiſſen, welchen Eindruck das auf deinen Oberſten machen wuͤrde? Wahrhaftig, er wäre im Stande, dir einmal auf der Parade zu ſagen: Herr Faͤhnrich, ich habe heute Ihre Schweſter geſehen. Sie verſteht recht artig die Haare zu kraͤuſeln.
Faͤhnr. Nun, was weiter?
Räthin. Sie hat Recht, lieber Sohn!
Faͤhnr. Sie hat Unrecht! Die Graͤfin weiß ja doch ſchon—
Soph. O die Graäfin iſt viel zu vornehm, als daß ſie ſich um meinen Zunamen bekummern ſollte. Sie nennt mich Sophie, und damit gut.
Fähnr. Herz und Vernunft adeln jeden Stand.


