Teil eines Werkes 
2. Th. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

69

nicht galant ſein kann; ich werde die ſüperbe Ade⸗ laide heirathen, werde ihr aber nicht die Aufwar⸗ tung machen, denn ſo etwas iſt mir zuwider und überdies— Ueberdies?— Ueberdies weiß ich nicht. Kurz und gut, es langweilt mich, den Verliebten zu ſpielen.— He! Du loſer Vogel, haſt immer etwas Geheimes.— Ich brauche nichts zu verbergen, das verſichere ich Ihnen.— O doch, die Chopards ſagen es ja und Adelaide ſelbſt behauptet, Du ſeiſt ein kleiner Duckmäuſer.. Gleichwohl gefällſt Du ihr, ſie betet Dich an und das iſt die Hauptſache Du wirſt eine prächtige Frau be⸗ kommen und immer mit Liqueur verſehen ſein... An was denkſt Du jetzt, mein Freund?— An nichts, lieber Pathe.— Das begegnet mir auch manchmal. Dieſen Abend alſo zu Chopards.“

Johann denkt den ganzen Tag über an Madame Dorville, an das kleine Notizenbuch, an den Be⸗ ſuch, den er der hübſchen Frau abgeſtattet und an die Unterhaltung mit derſelben. Abends begibt er ſich ganz maſchinenmäßig zu den Chopards; Fräu⸗ lein Adelaide macht ihm zärtliche Vorwürfe, daß er ſeit drei Tagen ſie nicht mehr beſucht, und gibt ihm ſogar einen leichten Klapps auf den Arm. Jo⸗ hann nimmt denſelben geduldig hin und erwidert nichts. Fräulein Adelaide kneift ihn und er ſpricht immer nichts, ſeufzt aber, indem er die Augen auf den Boden heftet, und Fräulein Adelaide denkt bei ſich ſelbt:„Er hat angebiſſen! er iſt verliebt! Ich wußte wohl, daß es ſo kommen würde.“