105
zu befriedigen: ich bin alſo nur ihr Geliebter, nicht ihr Unterhalter.
Man verſucht ſeine Handlungen ſtets unter dem günſtigſten Geſichtspunkte zu betrachten; übrigens iſt Caroline wirklich hübſch; ſchon längſt ſchmachte ich nach ihr, und ich möchte endlich meine Wünſche erfüllt ſehen. Ich glaube, daß ſie mich liebt, ob⸗ wohl ich in ihrem Betragen noch keinen Beweis dafür gefunden habe; aber es iſt ſo ſüß, ſich mit dem Gedanken zu ſchmeicheln, daß man dieſes Ge⸗ fühl einflößt. Sie iſt kokett; nun, ich werde ſie ſchon feſſeln; ſie wird nur mich ſehen, nur mit mir gehenz ſie wird nach meinem Willen leben und mir treu ſein: ſo habe ich im Sinne, es einzurichten.
Den nächſten Morgen denke ich an Alles, was mir zu thun obliegt. Ich darf keine Zeit verlieren; eilends kleide ich mich an, und während ich gerade meine Thüre ſchließe, kommt Raimund im Schlaf⸗ rocke auf mich zu:
„Sie gehen ſchon aus?— Ja, Herr Nachbarz ich habe viele Geſchäfte.— Zum Teufel, ich hätte gern mit Ihnen geredet.— Dies kann ein ander⸗ mal ſein.— Sie haben mich geſtern nicht im Café Turc abgeholt; ich bin bis zehn Uhr im Garten geblieben.— Thut mir leid! Adieu.— Sagen Sie mir doch. und mein Porträt; hat Agathe mein Porträt. 2“ Ich höre Raimund nicht mehr, denn ich bin bereits unten an der Treppe. Ich durchſtreife die ganze Umgegend, um ein Zimmer zu findenz es muß ein ſolches ſein, das man ſogleich beziehen


