27
bin? Warum nehmen Sie dieſe Schachtel in Em⸗ pfang, während ich mit der Ueberbringerin ſprechen ſollte?— Mein lieber Herr Nachbar, ich bin untröſt⸗ lich, ich wußte nicht— Ich bitte Sie, Herr Raimund, miſchen Sie ſich nimmer in meine An⸗ gelegenheiten, oder es kommt zu ſehr ernſtlichen Auftritten.. Sie können ſich in dem Hauſe ja noch viel zu thun machen, wenn Sie die Klatſchereien der Köchinnen anhören, wenn Sie den Lebenswandel der Frauen belauern, wenn Sie die Mädchen aus⸗ ſpioniren und an den häuslichen Streitigkeiten Theil nehmen; mich aber verſchonen Sie mit Ihrer Zu⸗ dringlichkeit.— Herr Nachbar, ich verſichere Ihnen, daß man mich in Ihren Augen angeſchwärzt hat... Ich bin unfähig. ich treibe gerne Spaß, dies iſt Alles; aber von Klatſchereien will ich nichts, denn ich bin durchaus kein Schwätzer. Wenn ich dies wäre, ſo könnte ich Ihnen ſagen, daß die Dame im erſten Stocke zwei Liebhaber hat; daß ihr Mann in der Stadt eine Maitreſſe unterhält; daß Herr Gerard, im zweiten Stocke, ſich in ſchlimmen Um⸗ ſtänden befindet und daß ich gerichtliche Vorladungen, die ihn angehen, bei der Portiere geſehen. habe; daß Madame Bertin Soiréen gibt, um für ihre Töchter Männer zu finden; daß ihre Köchin eine üble Wirthſchaft führt; daß die untere Köchin einen Geliebten hat, dem ſie heimlicher Weiſe Fleiſch⸗ brühen bringt; daß der junge Beamte Gerville Schulden macht und keine Antwort gibt, wenn ſeine Gläubiger bei ihm anklopfen und noch tauſend an⸗


