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Schweſter ſeufze und zittere ich nicht, noch werde ich roth und unruhig. Warum gerieth ich denn in ſolche Bewegung bei dem Kuß des jungen Kammer⸗ mädchens? Und doch habe ich Nanette viel lieber als Lucilie. Und Adolphine! O, vie liebe ich wieder ganz anders als Nanette und Lucilie. Oft glaube ich gar, ich liebe ſie nicht, weil ich in ihrer Nähe ſo verlegen werde. Ich bin immer unruhig, ſo oſt ich zu ihr hinuntergehe. Kaum wage ich an ihrer Seite den Mund aufzuthun. Wie ſonderbar das Alles iſt! Werde ich denn immer kindiſcher, je älter und größer ich werde? Nur bei Nanette bleib' ich mir immer gleich.
Der Tag der Abreiſe iſt da. Ich bin in dem nämlichen Wagen mit der Frau Gräfin, ihrer Toch⸗ ter und Lucilie; die beiden Bonnen ſitzen im Pack⸗ wagen. Wie angenehm wird die Fahrt werden! Ich ſitze Adolphine gegenüber und doch wünſchte ich mir faſt einen andern Platz. Ich ſehe immer nieder und wage kaum, das liebenswürdige Kind anzuſe⸗ hen, noch Hand und Fuß auszuſtrecken, aus Furcht, die ihrigen zu berühren. Am meiſten in Verlegen⸗ heit bringt mich der Gedanke, daß die Andern mer⸗ ken könnten, was in mir vorgeht, während ich es ſelber nicht recht weiß.
„Warum ſo ſchweigſam, Andreas?“ fragt die Gräfin.„Freueſt Du Dich nicht mit uns, auf's Land zu kommen?“
„O gewiß, gnädige Frau!“ „Und doch biſt Du ſo betrübt?“


