Teil eines Werkes 
2. Th. (1846)
Entstehung
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Sonntagsrock anhatte, ſeine ſchlichten Hoſen und geſtreifte Halsbinde, da war er nicht wieder zu kennen. Und ſieh mich nur ſelbſt an. In einer ge⸗ ftickten Haube und geblümtem Nachtleibchen bin ich zehn Jahre jünger.“

Ich betrachte die ſchönen Kleider und— ſtutze. Was wird der gute Vater Bernhard ſagen, wenn er mich darin ſieht? Vielleicht betrübt es ihn. Doch brenne ich vor Ungeduld, ſie anzupaſſen; Thereſe meint, ſie werden mir gut ſitzen. Ach, ich kann der Luſt unmöglich widerſtehen mit elf Jahren fehlt der Muth dazu, und überhaupt, wer nennt mir eine Zeit im Leben, wo die Gefallſucht keine Macht hätte über den Menſchen?

Ich erliege der Verſuchung, und gleich darauf ſtecke ich in den neuen Kleidern, von Kopf bis zu Fuß wie umgewandelt. Thereſe iſt außer ſich vor Entzücken, auch ich bin nicht unzufrieden mit mir. Ich ſeh' mich im Spiegel, dreh' mich nach allen Seiten um und betrachte mich ſelbſigefällig. Jetzt kommt auch der Friſeur. Er ſchneidet mir die lan⸗

gen Haare äb, friſirt und pomadiſirt mich. Schon

wieder bin ich vor dem Spiegel. Aber pfui! wie

häßlich dünk' ich mir. Erſt nach und nach gewöhne

ich mich an die kurzen Haare. Doch wo bleibt Na⸗ nette und ihr Vater? Ha, ich weite, ſie kennen mich

nicht. Ach, und die arme Mutter, wenn ſie mich

ſähe, wie glücklich wäre ſie! Ich will die Kleider

recht ſchonen, bis ich ſie mal beſuche.

Herr Dermilly tritt herein. Er ſieht mich an