Teil eines Werkes 
2. Th. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

101

„Nicht nöthig.. ich ſchenke ſie Ihnen.“

„Schenken, mein Herr? Ich will nichts geſchenkt,“ ſagt Roſſignol und holt ſeine Kleider, um ſich an⸗ zukleiden.„Ich ſchulde Ihnen zwanzig Franken und zahle ſie Ihnen zurück, ſobald ich kann. Roſſignol nimmt keine Geſchenke an. Uebrigens werden Sie lange ſuchen, ehe Sie einen Torſo wiederfinden wie ich bin. So ein antiker Leib, ſo eine Schule. Malen Sie einen Herkules, einen Mars, einen Apollo ohne mich wenn Sie's können! Für hun⸗ dert Sous eine ſolche Bruſt wie die hier! Und das um einen lumpigen Löffel Suppe und eine Rebhuhn⸗ keule! Deßhalb überwerfen ſich Künſtler!... Auf Wiederſeh'n, Herr Dermilly!“

Mit dieſen Worken grüßt er Herrn Dermilly, drückt ſtolz den Hut auf's linke Ohr, wiegt ſich hin und her wie ein Tambour Maior, ſchwingt ſein großes Rohr im Kreiſe herum und murmelt zwiſchen den Zähnen:„Jetzt hinunter zu Madame Roſſignol. Woll'n den Fanfan auf das Opfer Abrahams einſtudiren.“ Auf ſeinem Wege durch's Atelier hin⸗ terläßt er einen weiten Dunſtkreis von Knoblauch und ranzigem Oel.

„Gott ſei Dank, daß er fort iſt,“ ruft Thereſe, „der Taugenichts der! Welchen Schrecken hat er mir eingejagt. Und doch wollt' ich, Herr, wenn er mor⸗ gen kommt, Sie bittet und Beſſerung verſpricht, Sie nehmen ihn wieder zu Gnaden auf.“

So lange Roſſignol da war, hielt ich mich in einer Ecke des Ateliers, aus Furcht, gezankt zu