Ehe wir in Paris einziehen, halt' ich es für gut, dem Bruder ein Paar nützliche Lehren zu geben.
„Bruder,“ ſag' ich,„bedenke, was unſer guter Vater ſagte. In der großen Stadt leben nicht lau⸗ ter ehrliche Leute, auch viele Schelme, Spitzbuben und Diebe, daß Gott erbarm'. Aber ſo muß es halt ſein. Es gibt da Viele, welche ſich luſtig ma⸗ chen über die, welche vom Land herein kommen, ihnen allerlei böſe Poſſen ſpielen und ihnen das Geld aus der Taſche ſtehlen; nicht uns, denn wir haben keines. Aber vielleicht lacht man uns aus, denn wir ſind noch Kinder, und treibt mit uns ſein Spiel. D'rum nimm Dich in Acht und glaub' nicht Alles, was man Dir ſagt. Hörſt Du, Peter?
„Ja, ich höre, Andreas; aber ich bin nicht ſo dumm, wie Du weißt!“
Ich war nicht ſo ganz feſt davon überzeugt, doch wollt' ich's Peter nicht merken laſſen. Jetzt endlich ſind wir in Paris. Wie wurde uns zu Muthe in der großen, ungeheuer großen Stadt. Um ſieben Uhr Morgens betraten wir eine der Vorſtädte Lyons, und ſchon nach einer Stunde hatten wir ſie im Rücken, ohne uns umzuſehen. Aber hier! Es ſchlägt drei Uhr Nachmittags, als wir uns in Paris befinden. S iſt die Stunde, wo Jeder ſeinem Geſchäft nach⸗ geht. Die Straßen ſind vollgepfropft mit Menſchen, die Wagen raſſeln mit Blitzesſchnelle an uns vorüber und um uns her, die Läden ſtrahlen im ſchönſten Glanze, die Tabuletkrämer bieten ihre Waaren feil,
Paul de Kock LRRRIv. 3


