Teil eines Werkes 
2. Th. (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

doch hinter dem Vorhang gemuſtert hat. Ein junges Mädchen verräth ſich durch ihr ganzes Weſen, durch die geringſte Bewegung, und ſelbſt wenn ſie Gleich⸗ gültigkeit heucheln will, liegt Etwas in ihrem Aeußern, welches ihre Blicke oder ihre Worte Lügen ſtraft; die Liebe iſt ein ſo ſüßes, ſo ausſchließliches Gefühl für ſie, daß ſie ihr ganzes Sein durchdringt; ſie ſpricht ſich in ihren Handlungen, ihrem Gang, ſelbſt in ihrem Schweigen aus, und alle Anſtrengungen, ſie zu ver⸗ bergen, dienen häufig nur dazu, ſie deutlicher an den Tag zu legen.

Aglae iſt nicht mehr dieſelben ſie iſt heiterer, leb⸗ hafter, wenn ſie mit ihrem Zeiſig ſpricht. Sie unter⸗ hält ſich weitläufig mit ihrem Vogel, welcher nie ſo gut beſorgt ward und jetzt mit Biscuits, Zucker und Körnern vollgeſtopft wird. Wie die kleinen Schelmin⸗ nen doch gleich auf Pfiffe gerathen!Wie hübſch, wie artig er iſt, Fifi! ſagt das junge Mädchen, ihren Vogel an's Fenſter aufhängend. Und der Nachbar antwortet:

Ich liebe meine Herrin, ſie iſt ſo ſchön! Küß' mich Herrin, küß' mich geſchwind!

Haſt Du mich gern, Fifi?

Ja, ja, ja, ja.

Wenn ich aber den Käfig aufmachte, würdeſt Du doch davonfliegen.

Nein, nein! ich will bei Dir pleiben und nie zu einer Andern fliegen. Lieber Fifi!

Und Fräulein Aglae ſtellte ſich, als vb ſie glaube,