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„Iſt die Frau Gräfin von trauriger Gemüthsbe⸗ ſchaffenheit?“
„Im Gegentheil: ſie iſt ſehr heiter, ſehr lebhaft, faſt übertrieben vergnügt. Seit unſerer Verheirathung iſt ſie übrigens etwas ernſter geworden.“
„Da ich erſt ſeit einem Jahre die Ehre habe, der Kammerdiener des Herrn Grafen zu ſein, kenne ich die gnädige Frau kaum, denn im Laufe dieſer Zeit hat ſie, glaube ich, keine zehn Tage mit dem gnädi⸗ gen Herrn zugebracht.“
„Nein, Champagne, nicht ſo viel, und in den fünf Jahren, die wir mit einander verheirathet ſind, waren wir höchſtens zwei Monate beiſammen.“
„Sie müſſen einen vortrefflichen Eheſtand führen.“
„O, ſicherlich, und wenn ich der Frau Gräfin die Freiheit laſſe, unaufhörlich zu reiſen, wenn ich zugebe, das ſie auf dem Lande iſt, während ich in Paris bin, oder nach Paris zurückkehrt, wenn ich mich auf das Land vegebe, ſo kann es noch lange auf dieſe Weiſe dauern. Aber Du wirſt begreifen, Champagne, daß es Augenblicke gibt, wo es mir großes Vergnügen macht, meine Frau in ihrem Zimmer zu finden.“
„Verſteht ſich, Herr Graf.“
„Ich weiß wohl, daß unſere Lebensweiſe außer⸗ ordentlich vornehm iſt. Es gibt nichts Nobleres als Eheleute, die ſich des Jahres nur fünf⸗ oder ſechs⸗ mal ſehen; aber man muß ſich doch zuweilen treffen, und um mit meiner Frau zuſammenzukommen, muß ich ihr immer nachreiſen. Wenn ich ſie dann noch kriegte. aber im Gegentheil.“


