69
Indeß geht die Salonthüre wieder auf: alle Blicke fliegen dorthin und Herr Brouillard tritt mit Roſa⸗ Maria an der Hand ein, indem er ſpricht:„Hier iſt meine junge Coufine, die ich die Ehre habe, Ihnen vorzuſtellen.“
Jetzt muß das junge Mädchen jenes Kreuzfeuer auf ſie gerichteter Blicke aushalten, welche ihre Züge, einen nach dem andern, prüfen zu wollen ſchienen, die ſodann die allergenaueſte Muſterung ihrer Perſon, ihrer Haltung, ihres Wuchſes vornehmen und theil⸗ weiſe ſogar durch ihr beſcheidenes Buſentuch hindurch⸗ dringen möchten.
Aber die Schüchternheit und Gemüthsbewegung, welche Roſa⸗Maria in dieſem Augenblick empfindet, haben ihre Wangen mit einem lebhaften Incarnat bedeckt, und wie ſie in dieſen glänzenden Salon tritt mit ihrem einfachen Anzug und dem kleinen Häub⸗ chen auf dem Obertheil des Kopfes, iſt ihr Antlitz ſo hübſch, ihr Auge ſo ſanft, ihr Geberden ſo be⸗ ſcheiden, kurz ihre ganze Perſon ſo jungfräulich, daß vie Muſterung ganz zu ihrem Vortheil ausfällt.
Den Männern entfährt ein Beifallsgemurmel; ſelbſt die Frauenzimmer find entwaffnet und zum Ge⸗ ſtändniß genöthigt, daß das junge Mädchen reizend ſei; die beiden Tanten allein ſind anderer Anſicht.
„Entzückend. eine kleine Perle.. ein Engel!“ ruft Herr Candrillon aus.„Blitz und Hagel! der Vetter Brouillard hat nicht blau gefärbt er hat gewaltig Recht gethan, daß er die iunge Nichte holte,“


