107 Huchetteſtraße, in die wir eben einbiegen, dicht neben der Vielle⸗Bouclerieſtraße iſt es; wenn Sie nicht mehr gehen können, will ich Sie tragen.“
„O, ich kann ſchon gehen, mein Herr, ſo weit ver⸗ mag ich's noch.“
Roſa's Führer hält; man war vor dem kleinen Töpſferladen angelangt: dieſer glich faſt einem Keller, in welchem man, trotz dem, daß das Fenſter und die Thüre beſtändig offen ſtanden, kaum recht hell ſah. In einem Raum von etwa zehn Quadratfuß befand ſich ein Schreibtiſch, eine Art Geſchirrſtänder und eine beträchtliche Maſſe Kacheln, Töpfen, Schüſſeln, Caſſerolen, Platten, Oefen und Gefäße von allen Größen; man konnte kaum den Fuß in dieſes gleich einer mit Blumen umrankten Laube mit Töpferwaa⸗ ren angefüllte Gewölbe ſetzen.
Mitten darin hielt ſich jedoch faſt den ganzen Tag ein kleiner, etwa vierzigjähriger, etwas höckeriger Mann auf, deſſen Geſicht nach einer Harlekinslarve gemodelt zu ſein ſchien, denn die Naſe und das Kinn ſtießen beinahe zuſammen und ſeine Pausbacken mit den hervorragenden Knochen waren blauroth; er hatte aber dabei doch eine heitere aufgeräumte Miene, war ein guter Kerl und legte gegen das ſchöne Geſchlecht eine Galanterie an den Tag, die ſich nie verminderte. Und neben ihm ſtand gewöhnlich eine etwa fünfzig⸗ jährige häßliche magere Frau mit einer zärklichen, ſentimentalen Miene und langen, hinter das Ohr ge⸗ ſtrichenen Locken, die meiſt bis auf den Hals herab⸗ fielen. Dieſes iſt das Ehepaar Bichat.


