66
nicht.. und ich meine, man könne ſich auf den Straßen ſehr gut treffen und ſehen.. Wenn Herr Leopold vorbeiginge, ſo würde ich ihn ſicherlich augen⸗ blicklich ſehen.“
Aber Roſa⸗Maria bemerkt den Herrn nicht, der in der Entfernung von einigen Schritten hinter ihr ging und ſeinen Gang ganz nach dem ihrigen rich⸗ tete; Herr Richard blieb allerdings in gehöriger Ent⸗ fernung, oft ſogar weit hinter ihr zurück, denn dann konnte er die Taille, den Fuß, das Bein und die Geſtalt des jungen Mädchens beſſer betrachten. Dieſe Beobachtungen fielen ganz zu Gunſten der reizenden Roſa aus und befeſtigten den häßlichen jungen Mann nur noch mehr in ſeinen Abſichten.
Auf dem Baſtilleplatz angelangt, fand Hierony⸗ mus' Tochter Paris ſchon heiterer. Jetzt tritt erſt die große Stadt mit ihren Bewohnern, ihren Kauf⸗ leuten, ihren Spaziergängern, ihren Wagen, ihren Buden, ihrem Geräuſch, ihrer Bewegung, kurz⸗ ihrer Lebendigkeit vor ihre Augen. Jetzt bleibt ſie unent⸗ ſchloſſen ſtehen, bewundert die ſchöne Säule und die lange Allee vor ſich; aber bald erinnert ſie ſich, was man ihr von dieſer ſchönen Promenade in Paris, die Boulevards genannt, erzählt hat und ſie denkt: „O, da ſind ſie!... das iſt recht.. ſo hat man mir ſie geſchildert.., der Kutſcher ſagte mir, dieß ſei mein Weg.. vorwärts... Ach, wie viele Leute!.. wenn er jetzt vorbeiginge, würde er mich vielleicht nicht beachten.“
Roſa⸗Maria geht über den Platz und ſchreitet


