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in aller Frühe ſeltſam fand, nicht lange. Aber wenn irgend ein Beſuch kam und man zu Vieren war, lief Madame Bringueſingue Edmund von Neuem nach und führte ihn mit dem Ausruf an's Piano zurück: „Mein Schwiegerſohn! eine kleine Quadrille: wir ſind zu Vieren; meine Tochter und ich haben Herrenz welche Melodie Sie wollen.. es wird recht hübſch
ſein.“
Er konnte unmöglich ausweichen; die Schwieger⸗ mutter war hartnäckig; ſie holte Edmund an der Hand, ſetzte ihn nieder und er mußte einen Contretanz ſpie⸗ len, was er oft mit Aerger that, indem er dachte: „Madame Bringueſingue hat mir ihre Tochter gege⸗ ben, um immer ein Orcheſter zu ihrer Verfügung zu haben; aber ſie täuſcht ſich ſehr, wenn ſie glaubt, ich werde meine Zeit damit zubringen, ſie tanzen zu laſſen.“
Was Herrn Bringueſingue betrifft, ſo konnte er den Schwiegerſohn keinen Tag entbehren; wenn er in Geſellſchaft, zu einem Eſſen, auf einen Ball ging, ſo ſchleppte er Edmund mit; wenn er ein Gaſtgebot,
eine Geſellſchaft gab, ſo mußte Edmund zu Hauſe
und immer in ſeiner Nähe bleiben; dadurch gewann der alte Senfmacher Selbſtvertrauen, Taktfeſtigkeit; dann wagte er es, ſein Wort, ſeine Anſicht in der Unterhaltung anzubringen, überzeugt, daß er mit Beihülfe ſeines Schwiegerſohns immer ſehr gute Ein⸗
fälle, treffliche Ideen vorbringen müßte.
Aber Edmund fühlte ſich bald durch dieſes Ge⸗ bundenſein an ſeinen Schwiegervater gelangweilt.


