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5„Sage doch, Conſtanze, amüſirt Dich dieſes Buch da Ich finde es ohne Zuſammenhang, ohne Intereſſe; da gefällt mir der kleine Puzet oder die Eſelshaut veſſer. Dann liest auch Herr Ginguet ſo litaneiartig; mir kommt es vor, als höre ich die alte Clarinette des blinden Spielmanns.“ Bisher hatte Conſtanze beharrlich geſchwiegen, indem ſie ihre junge Freundin Pelagie Herrn Gin⸗ guet aushunzen ließ; ſie ſchenkte der Vorleſung wenig Aufmerkſamkeit, ſah dagegen oft auf eine kleine Pen⸗ deluhr auf dem Kamin, welche eben halb zehn Uhr geſchlagen hatte.
Da der Abend verſtrich, ohne daß ihr Vetter Ed⸗ mund eintrat, ſeufzte Conſtanze, denn das Mädchen liebte den Erwarteten zärtlich. Conſtanze war mit Edmund ſo zu ſagen erzogen worden; ihre Mütter waren Schweſtern und hatten Beide noch ſehr jung ihre Männer verloren; ihr Entſchluß ſtand feſt, ſich nicht wieder zu verheirathen, um ihre ganze Sorg⸗ falt der Erziehung ihrer Kinder zu widmen.
Die Schweſtern wohnten zuſammen und ihr ſü⸗ ßeſter Gedanke war, Edmund und Conſtanze, welche Letztere nur vier Jahre weniger als ihr Vetter zählte, einſt mit einander zu verbinden.
Alles traf ein, um den beiden Kindern einen glücklichen Ehebund zu prophezeihen; ſie liebten ſich wie Bruder und Schweſter und man durfte voraus⸗ ſetzen, daß mit den Jahren die Liebe an die Stelle der Freundſchaft treten würde. Was das Vermögen vetrifft, ſo paßte es gleichfalls: jede Schweſter beſaß
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