7
man mich vielleicht fragen. Darum, weil Herr Ed⸗ mund Guerval, der junge Mann, deſſen Geſchichte ich erzählen will, zu der letzten von mir angeführten Klaſſe gehörte. Bevor ich euch aber näher mit ihm bekannt mache, erlaubet mir, euch in ein kleines Gemach zu verſetzen, das ſich im vierten Stock eines ſehr ſchönen Hauſes der Vorſtadt Priſſoniére be⸗ findet.
Hier ſitzen zwiſchen vier Wänden, deren Raum zugleich als Salon und Schlafzimmer dient, und wo man einfache, jedoch geſchmackvolle Möbeln neben Ordnung und Mangelloſigkeit findet, drei Perſonen um einen runden Tiſch, auf welchem eine bedeckte Lampe ſteht. Es iſt nämlich Nacht und wir haben Winter. Faſt hätte ich Luſt, euch gleich den Wacht⸗ uhren auch die Stunde und Witterung anzuzeigen.
Erſtens ſehen wir dort ein junges, ungefähr zwan⸗ zigjähriges Frauenzimmer, eine hübſche Brünette mit ſchwarzen und ſanften Augen(was ſich gar wohl zuſammen verträgt), deren Züge, ohne ganz regel⸗ mäßig zu ſein, einen Reiz haben, welcher auf den erſten Anblick gefällt und anzieht. Ihre anmuthig geordneten Haare fallen in dichten Locken auf beide Wangen herab, verdecken aber eine hohe und weiße Stirne nicht, auf welcher Falſchheit und Lüge nie⸗ mals Platz gewinnen zu können ſcheinen. Dieſes junge Mädchen heißt Conſtanze; ſie iſt das Bäschen von Edmund Guerval, deſſen ich ſo eben erwähnte.
Neben Conſtanze ſitzt ein anderes à la Chinoise friſirtes Frauenzimmer. Stellet euch eine jener ſchel⸗


