Teil eines Werkes 
1. Th. (1845)
Entstehung
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Da die Mehrzahl den Eheſtand genießen will, iſt dieſes doch ein Beweis, daß trotz aller gegen den⸗ ſelben und die Ehemänner ausgegoſſenen Spöttereien dieſe Verbindung, welche zwei Menſchen zeitlebens aneinander kettet, mehr Vorzüge und Frzuden als Langeweile und Widerwärtigkeiten mit ſich bringen muß. Und wie ſtände es mit uns, wenn man ſich nicht verheirathete? Sind wir nicht auf Erden, um in Geſellſchaft zu leben?.. und hauptſächlich uns zu lieben?

Noth thut die Liebe, ſie iſt's, die uns hält:

Denn wer nicht liebt, iſt traurig anzuſchauen!..

Wir müſſen Nachts, was uns erfreut und qualt,

Des Lieblings zartem Buſen anvertrauen,

Ihm Morgens öffnen unſ're inn're Welt,

Mit ihm nur wandeln auf des Traumes Auen.

Dieſes hat Voltaire behauptet, und ich bin ganz ſeiner Anſicht.

Da man ſich nun Nachts ſeinem Liebling anver⸗ trauen ſoll, muß man nothwendig den zarten Gegen⸗ ſtand, welchen unſer Herz anbetet, in ſeiner Nähe haben.

Dieſes iſt überdieß auch die Lehre der Apoſtel: Melius est nubere quam uri(beſſer iſt heirathen

als Brunſt leiden).

Folglich hat man vollkommen recht, ſich zu ver⸗ heirathen.

Warum aber ſehet ihr dann, ihr verheiratheten Herren, oft ſo ſonderbar aus? Warum wollet ihr

euer Verhältniß verleugnen, indem ihr den Gang,