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243 Haͤtten ſie nur die Zeit abgewartet, bis ich mit ihnen unter vier Augen geweſen waͤre! Denn, daß in einer ſo vornehmen und— delicaten Ge⸗ ſellſchaft es mir, als Frauenzimmer, vielleicht nachtheilig geworden ware, haͤtte man erfahren, daß ich auf der Diligence angekommen ſey, mußte ich nach allen Umſtänden faſt befuͤrchten.
Ich. Haͤtten ſie doch gleich auf dem Poſt⸗ wagen ſich mir naͤher entdeckt! Wie doppelt an⸗ genehm wäre mir dann unſere Reiſe geweſen! wie verdoppelt wuͤrde ich meine Sorgfalt, meine Aufmerkſamkeit haben!
Sie. Wie, wenn ich nun ſelbſt vielleicht den Auftrag gehabt haͤtte, auf ſie ein aufmerk⸗ ſames, beobachtendes Auge zu rice
Ich. Unmoͤglich!
Sie Wir Weiber glauben nicht allzu feft an die Standhaftigkeit junger Maͤnner, und— daß ſie einen von ihrer Geliebten erhaltenen Blu⸗ menſtrauß ſo bereitwillig mit einer Fremden
theilten, oder daß ſie, kurz nach dem Abſchiede,
von einem andern Maͤdchen einen Strauß erhal⸗ ten hatten— denn, daß er aus weiblichen Hän⸗ den kam, ſagte mir das blanſeidene Bändchen— konnte ihre Treue mir allerdings nicht als mu⸗ ſterbaft darſtellen. Doch, ſie haben ſich noch ſo ziemlich gehalten— was ich gewiß zu rühmen wiſſen werde!


