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229 Je lebhafter ich mir dieſe Bilder ausmahl⸗ te, deſto mehr ergrimmte ich im Geiſte. Ich fand das Vergehen der Unbekannten nachgerade ganz unverzeihlich; ich bedauerte, die Haͤlfte meines ſchoͤnen, aus ſo unſchuldigen Haͤnden erhaltenen, Straußes an die Unwuͤrdige verſchwendet zu ha⸗ benz ich verbreitete mich weiter uͤber die Wan⸗ delbarkeit weiblicher Tréue und uͤber männliche Leichtgläubigkeit; ja ich machte die Anwendung zuletzt auf mich ſelbſt und auf meine Verhaͤltniſſe. „Vielleicht biſt auch du“— redete ich mich ſelbſt grämlich an—„dieſer Leichtglaͤubigen, dieſer Betrogenen einer! Auch dein Glaube ſtehr nicht feſter gegrundet, als der Glaube des Man⸗ nes in der Laube— und ach! wie kannſt du ein artiges Maͤdchen auf öffentlichen Promenaden, in Comoödien und Concerten, vor ſchöngeiſteri⸗ ſchen und wohlriechenden Lieutenants fuͤr ge⸗ ſichert halten, wenn ſogar der enge, finſtere Raum einer Poſtkutſche ſolche einen Lovelace in ſich faßt 7*— Vertrauen und Argwohn, Zuverſicht und Zweifel, Liebe und Eiferſucht hielten nun eine Art von Thierhetze mit meiner Seele, und als
der kuͤhle Morgenwind zuerſt wieder durch die
aufgerollten Seitenfluͤgel ſtrich, war die Arme ſo abgetrieben, daß ich den freundlichen Mor⸗ gengruß meiner Racharinn nur ſehr mattherzis


